Japanische Graphik

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Kaum eine andere Sprache ermöglicht die Gestaltung von Bild und Schrift zu einem harmonischen Ganzen wie das Japanische. So hat sich in Japan ein eigenes Genre der „Bilder der fließenden Welt“ (japanisch 浮世絵, Ukiyo-e) entwickelt, das die japanische Malerei und Druckgrafik (illustrierte Bücher und Farb-, Holzschnitte) umfasst, die das Lebensgefühl und die Weltsicht des Bürgertums und der breiten Bevölkerungsmehrheit in den großen Städten Japans, insbesondere in Edo (Tokio), während der so genannten Edo-Zeit widerspiegeln.

Dabei gibt es sowohl „Schrift auf Bild“ als auch „Schrift in Bild“-Techniken. In ersterer arrangiert ein(e) Kalligraph(in) Schriftzeichen oder ganze Gedichte auf einem Hintergrundbild, während in letzterer ein Bild gewissermaßen aus den bzw. um die Schriftzeichen wächst.

Ähnlich wie im Westen wich auch in Japan im Laufe der neueren Geschichte die menschliche Demut zunehmend dem menschlichen Selbstbewusstsein. So erfuhr das Konzept ukiyo-e einen drastischen Bedeutungswandel: Ukiyo-e setzt sich aus den Teilen „ukiyo“ und „e“ zusammen, wobei „e“ Bild bedeutet. „Ukiyo“ meinte in der buddhistischen Tradition die „irdische, vergängliche Welt“, die in der christlichen Tradition, und da vor allem im Barock, mit dem vanitas-Begriff korrespondiert. Die eher pessimistische Grundstimmung und die damit verbundene Besinnlichkeit und Jenseitigkeit wich ab dem Ende des 17. Jahrhunderts einer weniger beschaulichen Diesseitigkeit, womit ukiyo nunmehr so viel wie „lebe und genieße jetzt“ bedeutet.

Trotzdem ist in Japan die Tradition der „Bilder der fließenden Welt“ zumindest äußerlich noch aktuell, wie die folgende Minigalerie zeigt:

Tawayara Sotatsu (?): Susuki ni Ttsuki (ca. 1630)
Tawayara Sotatsu (?): Susuki ni Ttsuki (ca. 1630)
Dieses Bild ist ein Beispiel für die "Schrift auf Bild"-Technik und ein Beispiel für künstlerische Gemeinschaftsarbeit aus dem 17. Jahrhundert. Das Hintergrundbild wird allgemein dem japanischen Künstler Tawaraya Sōtatsu (jap. 俵屋 宗達) zugeschrieben, der wegen seiner kalligraphischen Schmuckblätter höchstes Ansehen genoss. Den Text hat allerdings nicht er, sondern ein Zeitgenosse namens Hon'ami Kōetsu (jap. 本阿弥 光悦) auf das Bild kalligraphiert. Das Gedicht wiederum stammt von Fujiwara no Hideyoshi (藤原秀能) aus dem 13. Jahrhundert.
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Die Symbiose von Schrift und Bild eignet sich natürlich hervorragend dazu, sich mit der japanischen Sprache unter gleichzeitiger künstlerischer Ausgestaltung zu befassen. Im folgenden Video zeigt Simone Klein anhand des Iroha-uta (jap. いろは歌, 伊呂波歌), wie sich am Computer mit recht einfachen Mitteln kleine Kunstwerke gestalten lassen. Dabei kommt die freie, plattformunabhängige Software Inkscape zum Einsatz, die sich vor allem zum Erstellen von Vektorgraphiken eignet, aber auch Pixelgraphiken verarbeiten kann.
[Das Video folgt in Kürze]

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