Stille Nacht – Ein Lied für die Welt?

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Ein Weihnachtslied als Lob der Sprachenvielfalt

„Stille Nacht, Heilige Nacht“ singt man weltweit in 300 Sprachen

Darum ist die Stille-Nacht-Gesellschaft überzeugt davon, dass das Lied eine Brücke zwischen den Kontinenten schlägt, denn es sei „konfessions- und nationenübergreifend“ und verbreite „weltweit die Weihnachtsbotschaft der Geburt Christi“, womit es natürlich nicht mehr konfessionsunabhängig ist. Aber so etwas kann einem im Eifer schon einmal entgehen.

Die Logik des immateriellen Kulturerbes in Österreich

Jedenfalls hat das Lied auf Betreiben dieser Gesellschaft und trotz der abstrusen Logik seit 2011 als quasi ultimatives Lied zur Weihnacht einen fixen Platz im Unesco-Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich. Begründung: Das im Jahr 1818 komponierte Lied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ bildet für zahlreiche Menschen einen Fixpunkt des Heiligen Abends und ist aus Feiern im Familien- und Freundeskreis sowie kirchlichen Feiern, insbesondere der Christmette, nicht wegzudenken. Für viele ist es der Inbegriff des Weihnachtsliedes überhaupt.

Ein Weihnachtslied feiert heuer seinen 200. Geburtstag

Um die Entstehung des Weihnachtsliedes ranken sich zahlreiche Anekdoten und Legenden. Als historisch gesichert gilt nur, dass ein Hilfspfarrer namens  Joseph Mohr den Text 1816 im Salzburgischen Lungau verfasst und dass zwei Jahre Franz Xaver Gruber den Liedtext mit einer Melodie versehen hat. Die heute gesungene Version des Liedes beruht auf dem „Mohr-Autographen“ aus den 1820er-Jahren.

Ein Lied aus Österreich als Hit in den USA – 150 Jahre vor Falco

Erstaunlich früh gelangte die „Stille Nacht“ nach Amerika. Am Weihnachtstag 1839 sang die Familie Rainer aus dem Zillertal, bekannt als die „Rainer-Sänger“, mitten in New York „Stille Nacht“ und legte so den Grundstein für die Popularität des Liedes in Amerika. Es wurde im 19. Jahrhundert so berühmt, dass die Amerikaner aufgrund des bald ins Amerikanische übertragenen Text glaubten, es handle sich um ein genuin amerikanisches Volkslied! Diesen Irrtum klärte erst Hertha Pauli auf, als sie 1943 ihr Buch Silent Night. The Story of a Song veröffentlichte. Und so erzählt man sich in Amerika nunmehr die Geschichte von „Vater Mohr“ und wie ihn eine „heilige Nacht“ dazu inspirierte, das Lied zu schreiben:

Hertha ist übrigens die Schwester des Physik-Nobelpreisträger Wolfgang Pauli. Sie war als Schauspielerin, antifaschistische Aktivistin, Autorin und Journalistin tätig, bevor sie das typisch österreichische Schicksal jener Tage ereilte und sie nach dem „Anschluss“ über Frankreich in die USA emigrieren musste.

Stille Nacht – Ein Lied für die Welt?

In wie viele Sprachen das Weihnachtslied tatsächlich übertragen worden ist und ob es den „Wunsch der Menschen nach allumfassenden Frieden“ thematisiert, wie das österreichische Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes behauptet, sei einmal dahingestellt. Das südafrikanische Silent Night Web hat jedenfalls beeindruckende 143 Übersetzungen, manche sogar mit Hörprobe, zusammengetragen, wie zum Beispiel Kwishkwei Piskèke, die „Stille Nacht“ in Lenape, der Sprache der Delaware-Indianer:

 

Wenn bezüglich der „allumfassenden Friedensbotschaft“ wohl auch heuer wieder der Wunsch der Vater des Gedankens bleiben wird, so wünschen wir dennoch möglichst allen Menschen friedliche Weihnachtsfeiertage!

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